Wege aus der sozialen isolation

ms • 12. Oktober 2024

die soziale Verarmung von Insassen ist besorgniserregend.

In Europa gibt es verschiedene Programme zur sozialen Integration von Strafgefangenen, insbesondere für diejenigen ohne familiären Rückhalt bzw. solche, die Gefahr laufen, in eine soziale Isolation abzurutschen. Diese Programme zielen darauf ab, den Wiedereinstieg in die Gesellschaft zu erleichtern, Rückfälle zu verhindern und soziale Bindungen zu stärken. Hier sind einige Beispiele:

 

Bildungs- und Arbeitsprogramme

Deutschland: Programme wie Bildung hinter Gittern bieten Gefangenen die Möglichkeit, sich weiterzubilden oder Berufsausbildungen zu absolvieren. Auch soziale Trainingskurse, wie z. B. in den Bereichen Konfliktbewältigung oder soziale Kompetenzen, sind Teil dieser Maßnahmen.

Niederlande: Das Prison Education Programme zielt auf die Ausbildung von Gefangenen ab, um ihre Arbeitsmarktchancen nach der Haft zu verbessern.

Vereinigtes Königreich: Die Prison Education Trust unterstützt Strafgefangene bei der Fortbildung, indem sie Bildungsstipendien vergibt.

Wir stehen mit der Prisoners Education Trust seit längerem in Verbindung um Möglichkeiten auszuloten wie man derartige – großartige – Programme auch nach Österreich transferieren könnte.

 

Resozialisierungsprogramme durch NGOs und Wohlfahrtsorganisationen

Frankreich: Organisationen wie Emmaüs bieten Unterkünfte und Arbeitstrainings für entlassene Gefangene an, die keine familiäre Unterstützung haben. Sie fördern soziale Integration durch Gemeinschaftsprojekte.

Italien: Projekte wie Libera unterstützen ehemals Inhaftierte, indem sie ihnen Arbeit auf konfiszierten Mafia-Ländereien anbieten, um sie in die Gesellschaft zu reintegrieren.

 Schweden: Die Kriminalvården arbeitet eng mit NGOs zusammen, um ehemalige Gefangene durch mentales Coaching, soziale Hilfe und Arbeitsvermittlung zu unterstützen.

In diesem Zusammenhang sollten wir auch den Verein „Neustart“ in Österreich nicht vergessen, die teilweise sehr gute Arbeit bei der Betreuung von Strafgefangenen kurz vor und nach der Entlassung leisten.

 

Mentorenprogramme und Freiwilligenarbeit

 Deutschland: Programme wie Schwurgerichtshilfe oder Der Weg e.V. bieten individuelle Betreuung durch ehrenamtliche Mentoren an, die Strafgefangene und Entlassene unterstützen.

Portugal: Das Rumos de Liberdade-Projekt bietet eine Mischung aus psychosozialer Betreuung und Mentoring für Straftäter ohne familiären Rückhalt.

 

Wohn- und Übergangshilfen

Österreich: Die NEUSTART-Organisation bietet ehemals Inhaftierten ohne familiäre Unterstützung Wohn- und Übergangsprogramme an, die Unterkunft und Arbeitssuche erleichtern sollen.

Schweiz: Die Organisation Transit bietet betreutes Wohnen für entlassene Strafgefangene an, um ihnen eine schrittweise Rückkehr in die Gesellschaft zu ermöglichen.

 

Psychosoziale und Suchtberatung

Viele Länder, darunter Deutschland, Belgien und Norwegen, bieten psychologische Betreuung, Drogen- und Suchttherapien als Teil der Resozialisierungsmaßnahmen an. Insbesondere für Gefangene ohne familiäre Unterstützung sind diese Programme essenziell, um emotionale und mentale Stabilität zu erlangen.

 

Europäische Initiativen

EU-Projekte: Programme wie Erasmus+ für Strafvollzug fördern den Austausch von bewährten Praktiken in der Resozialisierung zwischen EU-Mitgliedstaaten. Diese Programme bieten Gefangenen Bildungs- und Austauschmöglichkeiten.

 

Diese Programme sind darauf ausgelegt, Gefangenen ohne familiären Rückhalt Unterstützung zu bieten, indem sie auf Bildung, psychologische Betreuung, Mentoring und soziale Integration setzen.

Bei so vielen Programmen (und das ist nur ein Auszug) stellt sich dennoch die dringende Frage, wie es immer mehr zu sozialen Isolierung von Strafgefangenen kommt und sich mehr und mehr eine Radikalisierung einstellt? Diese Radikalisierung beruht auf nackten Zahlen von Übergriffen von Strafgefangenen gegenüber weiblichem und männlichem Personal sowie auch untereinander.

Wir sind der Meinung, dass es an der Zeit wäre, dieses Thema offen anzusprechen um Lösungsansätze zu finden und es nicht – in bester Justizministeriumsmanier – in einer der unzähligen Arbeitsgruppen zu diskutieren. Derartige Programme können eine Prävention gegenüber der zunehmenden Radikalisierung darstellen.


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