Bildung hinter Gittern

ms • 29. März 2025

Bildung hinter Gitter

Wir weisen immer wieder darauf hin, wie wichtig Bildung in der heutigen Zeit ist. Dies gilt nicht nur für Schüler und Studenten. Auch Menschen, die im Arbeitsleben stehen, sollten sich laufend fortbilden. Wie wichtig eine derartige Bildung dann erst für Menschen hinter Gitter ist, beweist einmal mehr die aktuelle Zahl an Rückfällen nach (bedingten) Entlassungen. Eine erfolgreiche Bildung von Strafgefangenen ist ein Motor für eine funktionierende Resozialisierung.


Bildung ist ein fundamentaler Pfeiler für individuelle Entwicklung und gesellschaftlichen Fortschritt. Sie eröffnet nicht nur bessere Berufschancen, sondern fördert auch soziale Integration und persönliche Entfaltung. Ein Mangel an Bildung kann hingegen schwerwiegende Konsequenzen für das gesamte Leben haben und ist häufig mit erhöhtem Risiko für soziale Isolation und Kriminalität verbunden.


Bildung als Schlüssel zur Lebensgestaltung

Ein solider Bildungsweg ermöglicht es Individuen, ihre Fähigkeiten zu erkennen und zu entfalten. Er ebnet den Weg zu qualifizierten Arbeitsplätzen und fördert das Verständnis für gesellschaftliche Zusammenhänge. Fehlende Bildung hingegen kann zu eingeschränkten Berufsaussichten, finanzieller Unsicherheit und einem Gefühl der Perspektivlosigkeit führen. Diese Faktoren erhöhen das Risiko, in soziale Randlagen abzudriften und sich in kriminellen Strukturen wiederzufinden.


Zusammenhang zwischen Bildungsdefizit und Kriminalität

Studien belegen einen klaren Zusammenhang zwischen niedrigem Bildungsniveau und erhöhter Kriminalitätsrate. In Deutschland wurde festgestellt, dass 15 Prozent der Gefängnisinsassen keinen Hauptschulabschluss besitzen, während dieser Anteil in der Gesamtbevölkerung bei lediglich 3,6 Prozent liegt. Unter Gewaltverbrechern und Dieben ist dieser Anteil sogar noch höher. Diese Daten verdeutlichen, dass fehlende Bildung ein signifikanter Faktor für kriminelles Verhalten sein kann.


Bildungssituation in österreichischen Gefängnissen

Auch in Österreich zeigt sich, dass viele Inhaftierte über geringe schulische und berufliche Qualifikationen verfügen. Um dem entgegenzuwirken, bietet der österreichische Strafvollzug verschiedene Bildungsmaßnahmen an. Dazu zählt die Facharbeiter-Intensivausbildung, eine verkürzte Lehre, die insbesondere jungen Strafgefangenen den Wiedereinstieg in die Gesellschaft erleichtern soll. Weitere Angebote umfassen Fachkurse, Basisbildung und IT-Schulungen. Diese Bildungsinitiativen zielen darauf ab, die Chancen der Insassen auf dem Arbeitsmarkt nach der Entlassung zu verbessern und somit die Rückfallquote zu senken.


Bildung in Haftanstalten

Umso mehr verwundert es, dass sich Justizanstalten zwar mit deren umfangreichen Bildungsangeboten rühmen, uns jedoch immer wieder Berichte von Insassen (und Beamten) erreichen, in denen uns von den äußerst mangelhaften Möglichkeiten zur Aus- und Fortbildung berichtet wird. Es ist zwar schön und gut, dass ein Insasse eine Lehre als Schuhmacher abschließen kann, allerdings ist es sehr fraglich, wie ihm das nach der Entlassung tatsächlich weiterbringt.


Wirklich zielführende Kurse wie z.B. EDV-Kurse, Sprachkurse oder Kurse, die auf das aktuelle Leben in Freiheit vorbereiten, fehlen gänzlich. Es gibt in Österreich Insassen, die seit über 40 Jahren (!!!) in Haft sind. Diese haben absolut keine Ahnung davon was sie mit YouTube, TikTok oder Facebook anfangen sollen. Erklärt man einem Insassen, dass man heute mehr oder weniger rund um die Uhr online sein muss, hält der einen für verrückt.


Aber es beginnt bereits bei so banalen Dingen wie dem Kaufen eines Fahrscheins oder auch nur das Bestellen in diesem bekannten Fastfood Restaurant mit dem gelben M. Dinge, die für den Normalbürger vollkommen selbstverständlich sind, sind für jemanden hinter Gitter wie das Land Oz. Wie soll hier eine Resozialisierung erfolgreich sein, wenn diese Menschen keinerlei Fortbildung erhalten? Zwei oder drei Ausgänge in der Länge von jeweils ein paar Stunden kurz vor der Entlassung helfen da nicht wirklich weiter.


Hier sind die Anstalten und der Staat gefordert, um Insassen die Möglichkeit zu geben, sich umfassend fortzubilden. Aktuell liegen uns Berichte von über 100 Insassen vor, denen eine Fortbildung aus den verschiedensten Gründen abgelehnt wurde.  


Fazit

Die Bedeutung von Bildung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie ist nicht nur entscheidend für individuelle Karrierewege, sondern auch für die Prävention von Kriminalität und die Förderung eines harmonischen gesellschaftlichen Zusammenlebens. Investitionen in Bildung, insbesondere für benachteiligte Gruppen, sind daher essenziell, um langfristig soziale Probleme zu reduzieren und jedem Einzelnen die Möglichkeit zu geben, ein erfülltes und rechtschaffenes Leben zu führen.



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